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Audio-Andacht zum Sonntag Invocavit

21. 02. 2021 bis 27. 02. 2021

mit Pastor Ingo Zipkat / Musik: Kreiskantorin Magdalena Szesny und Kantor Jonas Nicolaus

 

 

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1.Johannes 3, 8b)

 

Ganz nah glaubte ich dem Verstehen zu sein, glaubte ich Gott zu erkennen. War ich nicht einer von denen, die er lieb hatte? Die Wunder und Zeichen gesehen haben, Worte voll von Verheißung und Güte? Und gemeinsam sind wir unterwegs gewesen, nie allein, Männer und Frauen, Kinder auch und ganz alte Menschen.
Gemeinsam unterwegs... Und nun sind wir hier angekommen, im Zwielicht des Abends. Etwas wie eine unendliche Sorge geht um. Und niemand weiß wie es enden wird. Selbst er scheint anders als sonst an diesem Abend, spricht von Liebe und Füreinander-sein, von einem neuen Gebot, einander zu lieben, aufeinander zu achten. Und vielleicht haben wir das auch nötiger im Augenblick als je zuvor.
Mitten hinein dann dieser eine Gedanke, er spricht ihn laut aus: Der das Brot mit ihm esse, trete ihn mit Füßen. Verrat und Verleugnung kommt nicht vom Fremden, sondern aus unserer Mitte, vielleicht sind ihre Wurzeln schon gesät in meinem eigenen Herzen.
Und es wird Nacht...
„Nachdem Jesus dies gesagt hatte, geriet er in Erregung und sagte noch einmal mit Nachdruck: Amen, amen, ich sage euch, einer von euch wird mich ausliefern. Die Jünger schauten einander ratlos an, weil sie nicht wussten, von wem er redete. Einer von den Jüngern Jesu lag in seinem Schoss, der, den Jesus liebte. Diesem nun gibt Simon Petrus einen Wink, er solle herausfinden, wer es sei, von dem er rede. Da lehnt sich jener an die Brust Jesu zurück und sagt zu ihm: Herr, wer ist es? Jesus antwortet: Der ist es, dem ich den Bissen eintauchen und geben werde. Dann taucht er den Bissen ein, nimmt ihn und gibt ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nachdem der den Bissen genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Da sagt Jesus zu ihm: Was du tun willst, tue bald!
Niemand am Tisch verstand, wozu er ihm das sagte. Denn weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir für das Fest brauchen, oder etwas für die Armen, damit ich ihnen etwas geben kann. Als nun jener den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Und es war Nacht.“
(Johannes 13, 21-30; Zürcher Bibel)
Wo eben noch so vieles klar schien, verwirrt sich nun alles. Und auch ich, der ich ihm ganz nahe bin, als läge ich in seinem Schoß und könnte anderen auslegen, wer Gott sei und wie Jesu Geschichte mit der Liebe verwoben sei, spüre Verwirrung und die Kälte und Finsternis der Nacht.
Wer verrät hier wen? Allzu leicht könnte ich es mir machen: Judas war es, der andere, der, der nur scheinbar einer von uns war, der eigentlich nie dazu gehörte, Dieb und Heuchler...
Aber ich spüre, ich kann das nicht, als wären „die Juden“ schuld an allem, Gottesmörder eben, oder welche Gruppe von Menschen auch immer... Sitzt Verrat und Unverständnis und Hass und Feindschaft nicht allzu tief in mir selbst?
Und ist es nicht sogar Jesus selbst, der den Bruder wegschickt, als wäre Verrat dessen Auftrag von Gott? Macht Gott selbst Judas zum Verräter, der den Geliebten ausliefert? Wer trägt größere Schuld, Judas oder der, der Judas dem Teufel ausliefert und duldet dass die Finsternis einzieht in sein Herz? „Der Satan fuhr in sein Herz“, und es ist Nacht.
Nicht allein für Judas ist Nacht; auch alle anderen verstehen Gott nicht mehr. Mir ist kalt und ich weiß keine Antwort, es verschlägt mir die Sprache. Ich möchte es spüren, Licht von Gott, Versprechen des Lebens und das Verstehen der Liebe. Und kann es nicht. Es verschlägt mir die Sprache: Gott selbst liefert einen Menschen aus an den Satan, an die Finsternis des eigenen Herzens und lässt alle im Ungewissen zurück. Es gibt keine Antwort, es gibt keine Beruhigung, Gott selbst wird finster, so müsse es sein, sagt Jesus. Und es ist Nacht. Ich halte es nicht aus und versuche es doch. Ob es noch einmal Tag werden kann nach solch einer Nacht? Ach Gott, gibt es eine Antwort für Judas und für mich?
Ach, bleib mit Deiner Gnade...
Die Frage bleibt offen, was mit Judas geschieht in der Folge. Immerhin erzählt das Johannesevangelium nicht, er habe sich das Leben genommen und sei an seiner Schuld zerbrochen. Kurz wird noch erwähnt, Judas habe dabeigestanden, als die Soldaten Jesus verhaften, mehr nicht.
Und ich finde, es ist gut so. Dass es Geheimnis bleibt, was mit Judas geschieht imweiteren Verlauf seines Lebens. (Hier folge ich lieber der Offenheit des Johannesevangeliums als den anderen Stimmen im Neuen Testament, die erzählen wie schlimm „der Verräter“ zugrunde ging.)
Zugleich aber binde ich diese Nacht der Gottesfinsternis ein in die ganze Erzählung, in der es dann Tag wird: „Es war aber früh am Morgen.“ (Johannes 18, 28) Nach einer Nacht voll Kälte und Gewalt, Angst und Hass und Verzweiflung, voll Gottesfinsternis und Verrat wird es Tag.
Nicht weil alles gut wird, keineswegs, Blut wird weiter fließen, Menschen werden einander weiter verachten und verletzen.

Aber Gott ist klar an diesem Morgen, nach dieser langen Nacht, in der selbst er an und in Judas zum Satan, zum Verräter geworden ist: Nie wieder wird Gott das Leben verraten, es ist wie am Morgen nach der großen Flut, Gott schenkt sich selbst, eindeutig und bestimmt, bevor er seine Menschen aneinander auf ewig zu Schuldigen und zu an die Dunkelheit Verkauften macht. „Es ist vollbracht.“

 

Also hat Gott
die Welt geliebt,

und es ist Tag.
Amen

 

 
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